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#32 Von Österreich nach Deutschland

Mittwoch, 01.08.2018. Ja die heutigen 1. August Feierlichkeiten finden definitiv ohne mich statt, ich werde es vermutlich überleben. Obschon, ich hätte gerne am Brunch heute Morgen teilgenommen, aber es gibt noch weitere Nationalfeiertage.
Nachdem ich mich im SPAR von Aschach mit zusätzlicher Flüssigkeit genügend Tutti-Frutti einem Sandwich, Choco-Drink und Caffé-Latte eingedeckt hatte und an der Donau auf einer Parkbank die drei letzteren zum Frühstück verspeist hatte, gings nun Richtung Passau dem heutigen Tagesziel.
Es war mit knapp 20°C angenehm „frisch“ und die Stecke entlang der Donau mit Kolonien von Schwänen und Enten, zahlreichen Fischern welche gleichzeitig mehrere Fischerruten bedienten und dem spärlichen Schiffsverkehr, sehr schön zu fahren.
Schon bald war ich an der Schlögener Schlinge. Wie die Natur diese zwei 180° Kehren hingekriegt hat ist mir ein Rätsel. Die grossen Schiffe müssen enorm Steuer geben um die Kurven zu schaffen. Gerne wäre ich zum Aussichtspunkt gewandert um die Donau Schlinge von oben zusehen, ich getraute mich aber nicht mein Fahrrad mit all meinem Gepäck unbewacht zurück zu lassen. Als Alternative gönnte ich mir auf der Aussichtsterrasse des Hotels Donauschlinge einen ausgiebigen Kaffee.
Anschliessend setzte ich mit der Fahrradfähre ans andere Ufer über und fuhr weiter Richtung Passau.
In Niederranna stand bei einem Unterstand ein älterer Radrennfahrer und tupfte sich mit einem Papiernasstuch blutende Wunden am Ellenbogen und Oberarm ab. Ich bin zu ihm hingefahren und habe gefragt ob ich ihm helfen könne. Nein alles gut, meinte er. Er sei kurz unaufmerksam gewesen, rechts vom Teerbelag auf's Bankett geraten und als er über den zwei Zentimeter hohen Absatz wieder auf die Fahrbahn fahren wollte, sei im das Vorderrad weggerutscht und es habe ihn hingehauen. Ich bot ihm noch einmal meine Hilfe an, denn ich wurde für solche Fälle durch meine medizinischen Berater Christian, Christoph und Sabrina gut ausgerüstet. Seine Rennradhose ist heil geblieben, aber darunter sah es weniger erfreulich aus. Zum Glück waren die Schürfwunden an Arm und Bein nicht gross und eher oberflächlich, so dass sie nicht direkt behandelt werden mussten. So blieb ich noch etwa eine Viertelstunde bei ihm und wir sprachen übers Velofahren, meine Reise, seine Ausflüge und was man alles so spricht um jemandem nach einem Sturz ein wenig beizustehen. Anschliessend verabschiedeten wir uns voneinander. Er sagte noch er werde in ein paar Minuten auch losfahren und mich vermutlich mit dem Rennrad einholen, also bis dann.
Ein paar Kilometer später passierte ich die Grenze nach Deutschland. Es war das fünfte Land welches ich seit meiner Abreise betreten habe. Welche Länder sind es?
Und wenig später, wer fährt von hinten auf, unser lädierter Rennradfahrer. So kommen wir wieder ins Gespräch und wir fahren Kilometer um Kilometer nebeneinander der Donau entlang. Er ist sechsundsechzig Jahre alt, wohnt nördlich von Passau und hat einen 90 Kilometer Tagesausflug gemacht. Während wir so schwatzten, schaute ich einmal auf meinen Tachometer und ich musste feststellen, dass wir mit 30 km/h Richtung Passau „rasten“. Für ihn auf dem Rennrad kein Problem, aber für mich mit meinem Packesel, mir ging langsam die Puste aus. So sagte ich ihm er könne nun sein Tempo fahren, ich müsse etwas kürzer treten. Er bedankte sich noch einmal bei mir und sagte das sei für ihn richtig schön gewesen ein paar Kilometer mit mir fahren zu können. Die meisten Rennradfahrer seien so verbissen und nur auf sich konzentriert, da habe es gut getan jemanden wie mich zu treffen. Diese Aussage hat mich natürlich gefreut. Ich kann auch nicht einfach an jemandem vorbeifahren, wenn ich sehe da könnte Hilfe angebracht sein. Und so trennten sich wie schon so oft, nach einer kurzen Begegnung die Wege.
In der Zwischenzeit war kurz vor Mittag und die Sonne brannte immer kräftiger vom Himmel. Da kommt Ausgangs Obernzell ein Tankstellenshop. Tankstellenshops sind super. Da gibt es genügend Auswahl an Trinken, meistens haben sie auch einfaches Essen und Sandwiches und sind klimatisiert. Etwas trinken kaufen, gleich trinken und die 0,75 l Flasche ist im Nu leer. Wo entsorge ich die Pet-Flasche? Kein Entsorgungs-Behälter. Zurück an die Kasse und das junge, nette Fräulein erklärt mir, dass ich die Pet-Flasche ihr geben kann und dafür 25 Cent Pfand zurückkriege. Wir sind in Deutschland da ist auf allem Pfand, meint sie. Sie erklärte mir auch, dass alle Verkaufsstellen die Flaschen zurücknehmen. Die meisten hätten automatische Rückgabestellen, Flasche rein - Coupon raus und damit kriegt man das Geld an der Kasse oder Info zurückerstattet. Danke für diesen sehr hilfreichen Tipp. Bei diesen Temperaturen werde ich noch manche Pet-Flasche leeren und ich hätte vermutlich diverse Euros in den Kübel geschmissen.
Kurz nach Mittag bin ich in Passau. Viele Donau-Kreuzfahrtschiffe liegen vor Anker und wen entdecke ich? Ja genau ein Schiff der VIKING Lines mit unseren amerikanischen Freunden liegt natürlich auch am Peer.
Da es noch ein wenig zu früh für das Check in bei der Pension Vicus ist, setze ich mich auf eine schattige Bank an der Ortsspitze, da wo Inn und Donau zusammenfliessen und esse Tutti-Frutti und leere meine 1.5 Liter Mineralwasserflasche.
Heute habe ich die 2'000 Kilometermarke geknackt. Das will ja eigentlich nichts heissen, mir kommt es nicht auf die gefahrenen Kilometer drauf an. Aber ein bisschen stolz bin ich gleichwohl. Im Frühling hätte ich noch nicht daran geglaubt, dass ich stundenlang im Sattel sitzen kann, mir es nichts ausmacht ob ich 80 oder 100 Kilometer fahre und wenn es sein muss noch ein paar Kilometer anhängen kann. Körperlich keine nennenswerten Beschwerden auftreten, technisch alles i.o. ist und mit den Leuten denen ich begegne immer alles sehr locker und entspannt zu und her geht. So schön!

Übrigens die fünf Länder sind; Lichtenstein - Österreich - Ungarn - Slowakei und Deutschland.

 

Ein paar Zahlen:
76.0 km gefahren
wolkenlos, heiss
19°C min. Temp
36°C max. Temp
29°C durchsch. Temp
151 m positive Höhendifferenz
143 m negative Höhendifferenz
19.5 km/h durchsch. Fahrgeschwindigkeit
37.0 km/h max. Fahrgeschwindigkeit

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Margaetha (Mittwoch, 01 August 2018 18:53)

    Chapeau mit Deinen 2014 km im Sattel. Einen zufriedenen 1. Augustabend wünsche ich Dir. Wer weiss, vielleicht triffst Du ja noch einen Schweizer, so wie Beni. Dir übrigens eine erlebnisreiche Weiterfahrt Beni.

  • #2

    Katja Rezny (Mittwoch, 01 August 2018 23:01)

    Wieder einmal sehr schöne Bilder und für dich auch erneut nette Mitfahrer. Das ist jetzt das 6. Land, das du bereist. Oder bist du nicht in der Schweiz gestartet?
    Das Wetter soll ja weiter so warm bleiben. Um so erstaunlicher, dass du immer so viele Kilometer schaffst. Bis bald, Detlev und Katja

  • #3

    Franz und Therese (Donnerstag, 02 August 2018 14:35)

    Gratuliere zu den 2000 km. Helfen wie auf der Skipiste ����!! Das kennen wir.
    Wir wünschen Dir weiterhin viel Spass eine unfallfreie und interessante Reise.