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#23 Und wieder zurück nach Ungarn

Heute Sonntag, 22.07.2018, vor genau drei Wochen bin ich zuhause gestartet. Wie doch die Zeit vergeht und was man in so kurzer Zeit alles erleben kann.
Die ganze Nacht hat es stark geregnet, ein Gewitter folgte auf das andere. Am Morgen ist der Himmel noch bewölkt aber es ist trocken. Durch den Regen ist es sehr feucht und schwül, ich schwitze ohne dass ich mich bewege. Da gegen Mittag wieder Gewitter angesagt sind, nutze ich den frühen Morgen und sitze um 07:00 Uhr im Sattel. Sturovo ist wie leergefegt, kein Mensch auf der Strasse. Nach ein paar Kilometer geht es weg von der Hauptstrasse auf Nebensträsschen mitten durch Landwirtschaftsgebiet. Feldhasen so gross wie kleine Hunde kreuzen meinen weg, ein Fuchs erschrickt ab mir und verschwindet im nächsten Maisfeld. Ein Mäusebussard sitzt in einem Feld und reisst eine Maus. Als er mich sieht, stösst er laute Schreie aus, steigt in die Luft und fliegt schnell auf mich zu. In diesem Moment dachte ich „obacht der hat Junge und gleich werde ich froh um meinen Helm sein“. Doch ein paar Meter vor mir wendet er ab und verschwindet unter lautem Gekreische im Wald.
In der Zwischenzeit habe ich den Hochwasserschutzdamm erreicht. Der Radweg besteht aus gepresstem Kies, etwas holprig, aber ich komme gut voran. Durch den Regen hat es grosse Pfützen gebildet, welchen man aber gut ausweichen kann. Der Radweg verlässt den Damm führt durch ein Quartier und kehrt wider auf den Damm zurück. Doch was ist das? Nun ist das Kies nicht mehr gepresst und es liegt viel zu viel auf dem Weg. Mein Vorderrad findet keinen Halt mehr und rutscht weg. Mit viel Mühe kann ich einen Sturz verhindern. Ich kann auch nicht mehr losfahren, denn das Hinterrad dreht im tiefen Kies einfach durch. Also schieben bis ich aus dem tiefen Kies raus bin. Ich stelle fest, dass hier offensichtlich ein Bautrupp die grossen Pfützenlöcher mit Rundkies aufgefüllt hat und dabei gute Arbeit leisten wollten. Lieber etwas zu viel als zu wenig Kies, haben sie wohl gedacht. So ging es nun Kilometer um Kilometer weiter. Eine Stunde, zwei Stunden und ich kann nicht vom Damm runter, denn neben dem Damm ist Niemandsland oder Landwirtschaft aber keine Wege. Ich verfluche diesen Trottel von Bauführer. Es ist als ob du Stunden bergauf fahren musst und dabei das Vorderrad immer wegzurutschen droht. Höchstanstrengung für die Oberschenkel, für den Kopf aber auch für die Hände und Arme welche durch das Geruckel immer drohen einzuschlafen.
Zeit und Weg heilen die Mittel und so konnte ich nach unzähligen Kilometer auf eine Landstrasse abfahren. Gegen Mittag hatte ich über 70 Kilometer gefahren und ich machte mir Gedanken wo ich übernachten könnte. Auf der slowakischen Seite fuhr ich alle 10 Km durch ein kleines Dörfchen, ohne Hotels oder Pensionen. Die einzige grössere Stadt liegt in Ungarn auf der anderen Seite der Donau und heisst Györ.
Da muss ich also hin, ungeachtet der Kilometer. Gesagt getan, über die Donaubrücke nach Ungarn und was war das erste Signal nach dem leeren Zollgebäude? Genau Esel und Fahrradfahrer verboten. Natürlich keine Alternative signalisiert. Nun lass ich mich aber auch nicht mehr so rasch ins Boxhorn blasen. Navi konsultieren, Landwirtschaftswege und Umwege studieren und gefunden. Das wird zusätzliche Kilometer geben, aber in der Zwischenzeit kann ich Stunden im Sattel sitzen und Fahrrad fahren.
In Györ finde ich auch in gewohnter Manier ein kleines Hotel. Kleider waschen, Duschen, in der Altstadt etwas essen gehen.
Heute Abend müssen alle Kalorien mit Wienerschnitzel und Eis-Coup wieder rein um den Kies-Frust abzubauen.
 

Ein paar Zahlen:
116.6 km gefahren
stark bewölkt, schwül
18°C min. Temp
31°C max. Temp
23°C durchsch. Temp
126 m positive Höhendifferenz
128 m negative Höhendifferenz
18.3 km/h durchsch. Fahrgeschwindigkeit
35.1 km/h max. Fahrgeschwindigkeit

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Margaretha (Sonntag, 22 Juli 2018 22:37)

    Die Eisbombe als Trösterli für den Kiesfrust? Morgen wirds bestimmt besser.
    Inshallah!

  • #2

    Pia Riesen (Sonntag, 22 Juli 2018 22:38)

    Im Motorsport nennt man sowas Kiesbett....�

  • #3

    Wenger Elisabeth und Franz (Montag, 23 Juli 2018 10:52)

    Het di sicher ganz fescht brucht. Stetig Tage si hert u de so allei ir Einödi.
    Aber super hesch du aus gmeischteret���. U drum hesch das Schnitzel
    Redlich verdienet u no viu meh wär drinne gläge. Schad chü mir nid aui
    Föteli uftue. Die wo mir chü aluge sie soooo schön. Mir hoffe dass dir dr hütig Tag ringer git�u besser verlouft.