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#19 Na das ist mal ein Wind

Der heutige Morgen entlang des Balaton war richtig schön beruhigend. Es hatte fast überall Fahrradwege und die führten durch Wälder über Wiesen und durch kleine Dörfer. Es hat recht viel Fahrradverkehr. Offensichtlich ist es bei den Ungaren im Trend die Sommerferien mit dem Fahrrad und Gepäck dem Balaton entlang zu fahren und auf den unzähligen Campingplätzen zu übernachten. Ich musste zum Teil über die Ausrüstung schmunzeln. Riesige Zeltrollen, Schlafsäcke, Bodenmatten aus dem Supermarkt für 2.00 CHF plus Kleidung, alles auf dem Gepäckträger irgendwie festgezurrt. Mann und Frau fährt in halblangen Jeans und um den Kopf zu schützen werden grosse Sonnenhüte getragen. Man sieht von wo die grösste Gefahr erwartet wird, von der Sonne nicht von einem Sturz.
Die Dörfer durch die ich fuhr sehen alle ähnlich aus, ich habe sie schon beschrieben. Dann kam für mich der Kulturschock. Ich fuhr in Balatonfüred ein. Zuerst alles wie gehabt, COOP und ABC Laden, Schlaglöcher... Doch dann ein Zebrastreifen und über den gingen hunderte von Personen Richtung Balaton. Wo kommen die den so plötzlich her, fragte ich mich. Das habe ich nicht heraus gefunden aber wo sie hin gingen schon. Genau bei diesem Zebrastreifen beginnt die Flanierzone von Balatonfüred. Der Gehsteig ist aus Marmor, alle paar Meter ein Restaurant oder ein Geschäft. Da ich sowieso Rast machen wollte um etwas zu trinken, setzte ich mich auf eine von einem Designer entworfene Bank und trank aus meiner SAVO Flasche Wasser (was auch sonst). Wie ich nun mal bin, ich zücke mein Handy und schaue ob ein freies WiFi vorhanden ist und siehe da, nach all den WiFi Enttäuschungen der letzten drei Tage, freies und schnelles Internet zur Verfügung gestellt durch die Stadt Balatonfüred. In solchen Momenten fragt man sich wo und wie Geld fliesst und verteilt wird. Nach ein paar hundert Meter und ein paar schöne Parkanlagen weiter ist der Marmortraum am Boden auch schon wieder Vergangenheit und mich erwischt das nächste Schlagloch, so schnell enden die Touristenträume und offensichtlich auch das Geld.
Nach ca. 80 Kilometer bin ich oben am Balaton angekommen und ich verlasse ihn Richtung Nordosten um die ca. 30 Kilometer entfernte Stadt Székesfehérvár anzusteuern in welcher ich vorhabe zu übernachten. Nun beginnt wieder das Bangen mit den Strassen, aber alles läuft soweit gut. In der Zwischenzeit habe ich mich an vieles gewöhnt und auch entsprechend angepasst.
Schon gestern hat ein kräftiger Wind aus Norden geblasen. Heute hat er an Intensität noch einmal zugelegt. Im Schutze der Hügel am Balaton hat der Wind mich nicht besonders stark gestört, jedoch als ich nun ins offene und immer noch hügelige Gelände Richtung Nordosten radelte, hat er mich voll erwischt. Die Windböen schlugen mit solcher Wucht zu, dass ich mich zum Teil fast nicht auf dem Sattel halten konnte oder fast von der Strasse gedrückt wurde. Dies natürlich im rollenden Verkehr zwischen Lastwagen und PKW’s. Der Himmel verdunkelte sich und erste Regentropfen vielen. Da erreichte ich gerade ein riesiges Einkaufzentrum mit jensten Läden wie OBI, SUPERSPAR usw. Der Wind war nun so heftig, dass Ausstellungsmaterial durch die Luft flog. Die Leute flohen in ihre parkierten Autos oder in die Eingänge der Einkaufszentren. Ich habe es kommen sehen und bin gerade noch rechtzeitig auf den Parkplatz abgebogen und habe mich im Windschatten des SUPERSPAR Haupteingangs in Sicherheit gebracht. Da sassen zwei Penner bei ihrem Bier und schauten mich mit grossen Augen an. Ein paar Sekunden später zogen auch sie die Köpfe ein.
Ich nutzte die windgeschützte Ecke um über Booking.com eine Nachtbleibe zu organisieren. Da der Sturm nach ein paar Minuten wieder den Tagesdurchschnitt der Böen annahm, machte ich mich auf die 6.5 Kilometer lange Fahrt durch die Stadt Székesfehérvár bis zu meinem Nachtlager „Budai Vendégház Panzió.

Meine heutige Strecke;
Badacsonytomaj - Zanka - Balatonfüred - Balatonalmadi - Balatonfökajar - Füle - Köszarhegy - Székesfehérvár.

 

 

Ein paar Zahlen:
116.4 km gefahren
bewölkt, sehr stürmischer Wind
19°C min. Temp
30°C max. Temp
24°C durchsch. Temp
618 m positive Höhendifferenz
582 m negative Höhendifferenz
18.3 km/h durchsch. Fahrgeschwindigkeit
44.0 km/h max. Fahrgeschwindigkeit

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Margaretha (Mittwoch, 18 Juli 2018 21:24)

    Ich habe mich inzwischen auch um den Blattensee im Google erkundigt. Juli +August sollte man meiden, wegen der Hitze. Ferienzeit und Badezeit. Die Touristen sind on the Road. Du wirst es entlang des Sees immer wieder merken. Es ist Hochsaison. Gut hast Du etwas zum Schlafen gefunden. Weitere gute Fahrt. Häb Sorg zueder.