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No° 09 Oberriet - Bodensee - Kreuzlingen

Kühlere Stunden... belegte Betten und Zugfahr

Geprägt durch die letzten heissen Tage, starteten wir am Morgen früh auf unsere nächste Etappe. Zuerst aber noch dies, das Self-Check-in Hotel Rhy in Oberriet mit den im letzten Blog genannten Damen aus dem östlichen Teil Europas, ist das Geld wirklich wert. Das wunderschöne, neue, moderne und sehr saubere Zimmer hat uns beeindruckt. Das Nachtessen im angrenzenden Restaurant Aebi's war sehr fein und die beiden Damen waren wirklich sehr nett und hilfreich. So haben sie uns in ihrem Akzent auch erklärt: „Restaurant erst morgen um zehn wieder geoffnet, wir machen aber ihr Fruhstuck im ersten Stock bereitstellen. Ist angeschrieben mit Zimmernummer, sie einfach bedienen. Wir schon jetzt wunschen gutes Appetit“. Gedanken; ein Knäckebrot oder Zwieback, abgestandener Kaffee, ranziger Butter oder was wird uns zum Frühstück erwarten?

Denkste, pro Zimmer sauber beschriftet, korrekt gekühlt in Kühl-Vitrinen, standen durch die beiden Frauen schön zubereitete z’Morgenplättli für uns bereit. Züpfli, Brötli, Konfitüre, Nutella, Butter, zwei Sorten frischer Käse, Lionerwurst, Schinken, Salami, Jogurt, Orangensaft und Milch je im 2.5dl Tetra Pak und Kaffee aus der Kapselmaschine. Wir waren echt positiv überrascht. Und praktisch war es natürlich auch. Aus den Brötli wurden flink Sandwiches gestrichen und der Orangensaft war für den weiteren Weg als Pausengetränk auch optimal geeignet. In welchem anderen Hotel kann man das, ohne schlechtes Gewissen zu haben, so offiziell mitgehen lassen?

Frisch gestärkt verliessen wir also das Hotel Rhy wie anfangs erwähnt früh um 06:15 Uhr Richtung Rheindamm. Wir fuhren wieder auf die österreichische Seite um Abstand zur Schweizer Autobahn zu bekommen. Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass das Netz der Velowege in Österreich super gut ist. Die Wege werden gut unterhalten und gepflegt, sie sind (nicht wie in der Schweiz) hervorragend beschildert und führen durch landschaftlich schöne Gebiete. Als Gegensatz will ich den Radweg auf Schweizer Seite am Bodensee entlang erwähnen. Grösstenteils verläuft er schnurgerade neben dem Bahntrassee, ohne Schatten oder Restaurant und meistens ohne See Sicht. Ja da können sich die Schweizer Radwegplaner noch ein tolles Stück Ideenreichtum bei den Österreicher abschneiden!

 

Unser Weg führte also zuerst dem Rhein und auf der Höhe von Diepoldsau dem Alter Rhein entlang. Vorbei ein gepflegten Schrebergärten unter schattigen Bäumen und immer wieder mit Blick auf den Alter Rhein.

 

In Rheineck wechselten wir auf die Schweizer Seite und schon haben wir uns verfahren. Die Radweg Beschilderung ist so hervorragend gewählt, dass sie in eine Richtung zeigt wo sich zwei Strassen gabeln (welche jetzt?) oder nur die Nummer des Radwegs ohne Ortsangabe vorhanden ist. Das ist wie wenn auf der Autobahn stehen würde E25 ohne zusätzlich <Zürich>.

 

Gut wir haben dann den Rank wieder gefunden und der „idyllische“ Radweg führte dem Alter Rhein entlang. Leider war linkerhand die Autobahn und das ganze führte über eine kilometerlange Baustelle.

Auf dem Campingplatz bei Altenrhein gönnten wir uns danach ein Kaffee und einen Nussgipfel zum zNüni.

 

Wie bereits erwähnt, ist der nun folgende Abschnitt entlang des Bodensees (für uns) nicht gerade das Radler Paradies. Immerhin war es interessant in Rorschach das Anlegemanöver eines Passagierschiffes mitverfolgen zu können. Oben auf der abgesetzten Brücke stand nebst dem Kapitän der „Lehrling“ welcher das heikle Manöver unter kundigem Auge des Kapitäns durchführen durfte... und ruuumps... und ruuumps... und ruuumps...

 

Die Passagiere sind in der Zwischenzeit alle aufgestanden und schauten zum Teil besorgt, zum Teil amüsiert dem Landemanöver zu. Es war ein Wunder, dass nachdem das Schiff zum Stillstand kam und ordentlich vertäut war, die Passagiere auf dem Schiff und die wartenden Passagiere an Land nicht in tosenden Jubel ausgebrochen sind.

 

Auch ein Schwanenpaar mit ihren zwei Jungen liess mich erstaunlicherweise zum Fotografieren mit dem iPhone sehr nahe an sie heran. Ich erwartete jederzeit ein warnendes Fauchen des wacheschiebenden Chefs oder Chefin aber sie liessen mich gewähren.

So radelten wir also dem Bahntrassee entlang. Zwischendurch kreuzte uns ein mit „Turbo“ beschrifteter Zug dann waren die Geleise wieder leer. Die Geleise sind parallel verlegt und die Schwellen in gleichmässigen Abständen im rechten Winkel zu den Geleisen, schlüssig mit denselben verbunden. Den Bodensee sah man zu dieser Zeit nicht.

Nach rund 75km sind wir dann in Kreuzlingen eingetroffen. Uns ist sofort aufgefallen, dass wir auf unserem, hier in Kreuzlingen sehr gut beschilderten Radweg an Auto Kolonnen vorbeifuhren und auf den Kreuzungen ein Sicherheitsdienst den Verkehr regelte. Wir machten uns aber keine weiteren Gedanken und fuhren in den Hafen von Kreuzlingen wo es eine verdiente Stärkung gab, wir den beiden kreisenden Luftschiffe aus Friedrichshafen zuschauen und ein Hotel für die kommende Nacht suchen konnten.

 

Booking.com und Airbnb melden „es hat in ihrem gewählten Bereich nur noch 6% freie Betten! Nein nicht schon wieder, schon Bludenz war ausverkauft!

 

Die freien Betten erwiesen sich als „nicht gerade geeignet“. Wir bezahlen ungern für eine Nacht im 3* Hotel über CHF 200.00. So beschlossen wir unsere Veloreise hier zu beenden, zum Bahnhof zu fahren und ein Ticket nach Bern zu lösen.

Auf der Fahrt zum Bahnhof sahen wir dann auch den Grund der belegten Betten. An diesem Wochenende findet „Der grosse grenzüberschreitende Flohmarkt Kreuzlingen-Konstanz“ mit über 1'000 Aussteller statt. Diese tausend Aussteller und die vielen Besucher wollen natürlich übernachten und so hat es für Tschumis keinen Platz.

 

Gesagt getan, Thesi löst Tickets für Mensch und Maschine und vier Minuten später sitzen wir im „Turbo“ nach Weinfelden. Umsteigen in den ICE nach Bern und um 17:00 Uhr kommen wir in unserer Heimatstadt wieder an. Da muss noch eingefügt werden, nach dem wir im „Familien und Fahrradabteil“ die gefühlten 30 Fahrräder und 10 Kinderwagen mit heroischen Anstrengungen auseinander dividiert und jeder Besitzer sein Eigentum durch die schmale SBB Schiebetür ins Freie erobert hat.

 


Somit sind wir am Ende unserer Tour aber auch des Blogs angelangt. Wir hoffen ihr hattet einen kleinen Einblick in unser Erlebtes. Wir waren erstaunt wie viele nette, meistens nur kurze aber herzliche Bekanntschaften wir schliessen durften. Wie oft hat uns jemand wörtlich „Wohin des Weges“ zugerufen und sofort waren wir im Gespräch. Viele gaben uns Tipps zum bevorstehenden Streckenabschnitt oder haben einfach nur zur Leistung gratuliert. Wie gerne denken wir an Brunhilde und Dieter in Bludenz zurück welche uns in der Not spontan ein Zimmer in ihrem Haus zur Verfügung gestellt haben und an Caterina und Hanno welche uns immer aufnehmen wie Familienmitglieder. Nicht zu vergessen Lucienne und Christoph unsere lieben Nachbarn, welche sich mit viel Engagement um unsere Katze Eisbär, das Giessen der Pflanzen und um unser Haus kümmerten.

 

Dieser Blog war eigentlich für mich (Tinu) ein Test, denn in ca. einem Jahr möchte ich in meinem Vorruhestandurlaub alleine von zuhause über Gaschurn, Innsbruck, Graz, Budapest, Bratislava, Wien und dann der Donau entlang hinauf bis an die Donauquellen im Schwarzwald und anschliessend wieder zurück nach Bremgarten radeln. Ob es wirklich zustande kommt, ob ich körperlich und mental in der Lage bin dies zu machen oder nach vierzehn Tage wieder umkehre, all dies ist noch offen.

Unsere Testreise ins Montafon und an den Bodensee lässt mich aber hoffen dass ich es packen kann. Ihr werdet da sicher wieder von mir hören, wenn ihr wollt.

 

E N D E

 

Ein paar Zahlen zur Strecke Oberriet – Bodensee – Kreuzlingen:

83.3 km gefahren

19°C min. Temp

31°C max. Temp

22°C durchsch. Temp

183 m positive Höhendifferenz

185 m negative Höhendifferenz

17.6 km/h durchsch. Fahrgeschwindigkeit

33.1 km/h max. Fahrgeschwindigkeit

 

Ein paar Zahlen zur gesamten Strecke:

452.23 km gefahren

09°C min. Temp

41°C max. Temp

2’650 m positive Höhendifferenz

17.3 km/h durchsch. Fahrgeschwindigkeit


1. Tag:
Bremgarten - Sumiswald - Huttwil - Sursee - Sempach - Rothenburg


2. Tag:
Emmen - Cham - Zug - Hirzel - Zürichsee - Weesen Walensee


3. Tag:

Walenstadt - Sargans - Vaduz - Feldkirch - Bludenz


4. Tag:

Bludenz - Montafon - Gaschurn


7. Tag:

Bludenz - Feldkirch - Oberriet


8. Tag:
Dornbirn - Altenrhein - Romanshorn - Kreuzlingen

mit dem Zug nach Bern


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Kommentare: 5
  • #1

    Emanuel (Sonntag, 25 Juni 2017 10:30)

    Hey Tinu, das war ein spannender Blog und zieh deine Pläne durch! Es gibt nichts so tolles, wie das Gefühl, welches sich einstellt, wenn man sich denn erst mal von der alles umgebenden Sicherheit der Schweiz losgesagt hat. Nicht, dass ich die Sicherheit der Schweiz nicht mag, im Gegenteil, ich weiss sie sehr zu schätzen! Aber es macht es umso schwerer, mal neue Pfade zu erkunden, weil man fast nur das Gefühl hat, verlieren zu können. Doch genau das wirst du nicht. Neue Gegenden erkunden und neue Menschen kennenlernen, bereichert ungemein! Viel Spass und geniesse noch das letzte "Arbeitsjahr"!

  • #2

    Roli (Sonntag, 25 Juni 2017 10:32)

    Gratuliere euch
    bis bald
    Gruss Roli

  • #3

    Melanie E (Sonntag, 25 Juni 2017 11:50)

    härzlech wiukomme zrügg! und danke für die interessante posts (-: ig zieh dr huet vor öirere leischtig! u när no bi dene temperature... schön, dass dir heil zrügg sit. und ig bi sicher, du ziehsches nächschts jahr düre ;-)

  • #4

    Nachbar Nr, 43 (Montag, 26 Juni 2017 11:19)

    Super Kommentare, interesssnte Beschreibung der Strecke, einfallsreich bebildert, tolle sportliche Leistung bei hohen Temperaturen, stes gut gelaunt. Alle Komponenten vorhanden für die geplante Reise in Angriff zu nehmen. ���‍♀️����

  • #5

    Franz u. Therese (Montag, 26 Juni 2017 18:50)

    Schön das ihr wieder gesund zu Hause seit. Wir freuen uns auf den 23. dann können wir noch einmal das ganze Revue passieren lassen. Bis bald Franz u. Therese